Erste Einfüsse  

Der in Leningrad (St. Petersburg) geborene Geiger Mark Lubotsky wuchs in Moskau auf. Nächst Abraham Jampolski war David Oistrach sein wichtigster Lehrer am Tschaikowsky-Konservatorium- Er gewann Preise bei internationalen Wettbewerben wie dem Salzburger Mozart-Wettbewerb und dem Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb.

Luborsky fühlt sich Oistrachs musikalischem Ethos zutiefst verpflichtet, und das bedeutet: Auf hohem technischen Niveau in der Interpretation ein Höchstmaß an Übereinstimmung der emotionalen und der geistigen Komponenten anzustreben.
Seine zahlreichen Aufnahmen aus dem klassisch-romantischen und dem neuzeitlichen Repertoire der Violinekonzerte und der Kammermusik bezeugen das. Besonders hervorzuheben ist Lubotskys hervorragende CD-Einspielung der Solowerke Johann Sebastian Bachs (Collins Classics), bei der e einen speziell für ihn hergestellte, historischen Vorbildern nachempfundenen Geigenbogen benutzt hat. Im New Grove Lexikon und im Riemann Lexikon der Musik wird Mark Lubotsky als einer der besten Geiger unserer Zeit gewürdigt.

„Lubotsky spielte auf dem höchsten Niveau technischer Perfektion und mit wunderbarer Kraft“, urteilt die Londoner Times 1988; ähnlich enthusiastisch die New York Times (1985) und 1980 die Financial Times: „Lubotskys musikalische Haltung ist von intellektueller Kraft und emotionaler Intensität gekennzeichnet“.


  Begegnungen   In Lubotskys Leben spielen der russische Komponist Alfred Schnittke (1934-1998) eine besondere Rolle. Zu der Zeit, als beide am Moskauer Konservatorium studierten, bat Schnittke ihn bei der Komposition seines ersten Violinkonzerts um geigerisch-technische Beratung. Lubotsky wurde einer seiner ersten Interpreten und ein lebenslanger Freund. Alfred Schnittke widmete ihm sein zweites Violinkonzert und sine drei Violinsonaten. Lubotsky spielte die Uraufführung von Schnittkes erstem und zweitem Violinkonzert zur größten Zufriedenheit des Komponisten; und das gilt auch für die von Lubotsky gespielte Uraufführung von Schnittkes Klaviertrio mit Irina Schnittke (Klavier) und Mstislav Rostropowitsch (Cello) sowie für die der dritten Violinsonate, wobei Irina Schnittke Lubotskys Klavierpartnerin war. Mit gleicher Kompetenz interpretierte Lubotsky auch Violinmusik von Arvo Pärt bei Festivals in London und Tokyo, die den Werken des estnischen Komponisten gewidmet waren.

Es ist bezeichnend für Lubotskys künstlerisches Ansehen, das Benjamin Britten (1913-1976) sich ihn und keinen anderen Geiger als Solisten der von ihm dirigierten LP-Einspielung seines Violinkonzerts op. 15 wünschte. Britten stellte fest: „Das ist die Aufführung, auf die ich gewartet habe“.

Im die Wiederentdeckung des von den Sowjets verfemten und unterdrückten russischen Komponisten Nikolai Roslavets (1881-1944) hat sich Lubotsky besonders verdient gemacht. Seine zwei CD mit den vier Violinsonaten sowie den „24 Preludes“ und anderen Stücken sind Ersteinspielungen (beim englischen Label Olympia).

 
  Zusammenarbeit   Dirigenten, mit denen Mark Lubotsky als Solist zusammenarbeitete , sind Kyrill Kondraschin, Eugene Ormandy, Mstislav Rostropowitsch, Jewgeni Swetlanow, Bernard Haitink, Gennadi Roschdestwenki, Kurt Sanderling, Neeme Järvi und andere

Orchester, mit denen er konzertierte oder Aufnahmen machte: Moskauer Philharmonie, Staatliche Sowjetische Philharmonie, Englisch Chamber Orchestra, BBC Symphony Orchestra, London Symphony Orchestra, Royal Philharmonic und Philharmonia Orchestra (London), Concertgebouw Orchester (Amsterdam), Rotterdam Philharmonie, Residentie Orchester, Scottish National Orchestra, Sinfonieorchester des Bayrischen Rundfunks, Göteborger Sinfoniker, Detroid Symphony, Colorado Symphony etc.

Klavierpartner Lubotskys sind Ljubov Edlina, Boris Berman, Peter Frankl, Ralf Gothoni und jüngst Brenno Ambrosini.

 
  Wiessensträger   Als Pädagoge ist Mark Lubotsky ebenfalls sehr erfolgreich und weltweit dafür bekannt, dass er die geigerische Tradition, aus der David Oistrach und Abraham Jampolski stammen, beispielhaft zu vermitteln weiß. Einige seiner Schüler sind Preisträger internationaler Violin-Wettbewerbe. Er unterrichtete in Moskau am Gnessin-Institut und erhielt nach seiner Emigration aus der UDSSR eine Professur am Sweelinck-Konservatorium in Amsterdam. 1986 übersiedelte er nach Hamburg, wo DIE WELT den ersten Duo-Abend seines Beethoven-Zyklus begeistert rezensierte: „Die Musikhochschule Hamburg darf sich rühmen, Mark Lubotsky für eine Professur gewonnen zu haben: ein Glücksfall!“

Meisterkurse gab Lubotsky an der Toho Universität in Tokyo, der Oakland University in Neuseeland, der Guild Hall School of Music in London, am Konservatorium in St. Petersburg, an der Sibelius-Akademie in Helsinki sowie im schwedischen Göteborg.

Als Juror bei Wettbewerben war Lubotsky ebenfalls inernational tätog, ind zwar beim „Carl Fleisch“ (London), „Tschaikowsky“ (Moskau), „Lipizer“ (Italien), „Yehudi Menuhin“ (Frankreich) und „Brahms“ (Hamburg).

 
  Aufnahmen   machte Mark Lubotsky für die Labels Philips, Sony Classical, Decca, Ondine, Bis, Collins Classics und Olympia  
© Mark Lubotsky